Freitag, 12. Oktober 2012

"Massage-Nepp"


Heute morgen bin ich über einen Artikel bei kurier.at gestolpert mit Titel "Massage-Nepp".
Darin geht es um die Qualität von Massagen und Wellnessbehandlungen in Hotels.

In diesem Bereich musste ich auch schon einige eher weniger gute Erfahrungen (ähnliches hab ich hier schon mal berichtet) machen und plaudere daher heute mal aus dem Nähkästchen.

Es war im Frühjahr in der Pfalz. Ein Wellnesshotel in schöner Landschaft, originell ausgestattet
und die Wellnessbehandlungen hatten wundervolle afrikanische, brasilianische und indische Bezeichnungen.
Allein beim Lesen kam ich schon ins Schwärmen.

Ich buchte also eine brasilianische Massage. Tropische Regengüsse, wärmende Elemente und Düfte sollten mich verwöhnen. Im Massageraum angekommen - im Regenwald hatte ich es mir etwas wärmer vorgestellt... -  erwartete mich eine halbwegs freundliche Fließbandarbeiterin, die mir erklärte, dass ich den Einmal-Slip nun anziehen sollte. Auf meine Frage, ob das auch ohne das geht, sagte sie: "Des is mir egal, normal macht ma des aba so!" Also gut, machte ich es so.
Auf der Liege angekommen, den japanischen Klängen lauschend (multikulti) wurde es mir in dem brasilianischen Eisregenwald doch etwas zu kühl und ich bat um eine Decke. Die bekam ich auch mit dem Spruch: "Ich beineid Sie, ich schwitz des gonze Johr hier."
Aha, ja, das tat mir natürlich leid.
Sie erklärte mir dann auch, dass diese Behandllung ganz genaue Strichabfolgen hat, weswegen es hier keine individuell abgestimmten Griffe gibt. Punkt.
Immerhin war die Körperbutter ein Genuss für meine Haut und mich und so war es denn doch zu etwas gut.


Zwei Tage später meldete ich mich für eine Kosmetikbehandlung an und war mir sicher, das kann nicht die gleiche Behandlerin sein, denn als Kosmetikerin hatte ich sie nicht gesehen.
Aber wie das Schicksal es so wollte, wurde ich wieder zu meinem einfühlsamen Wellness-Eisengel geführt.

Ziemlich unbequem lagerte sie mich im Kosmetikstuhl und als ich nach einer Knierolle fragte, beschwerte sie sich über das Haus und das sowas in der Ausstattung fehlt usw. usf.
Nichts, was ich hören will, um mich zu entspannen...
Beim Augenbrauenzupfen hatte ich das Gefühl, sie reißt mir die Härchen gegen die Wuchsrichtung in Zeitlupe heraus. Nun sind es ja schon einige Jahre her, dass ich selbst sowas gelernt habe, aber das kann doch nicht die neue Technik sein?!
Danach erklärte sie mir: "Jetzt geht die Quälerei weiter." ??? Wiebitte? "Ajo, jetzt kommt des Ausdrücke!"
Aha. Ich hatte wirklich Angst, Narben davon zu behalten, so wie sie es machte. Kein Wunder, als ich später ihre Fingernägel sah, konnte ich mich nur wundern, wie man so auf Menschen losgelassen wird.
Irgendwann war alles vorbei und zum Abschluss gab sie mir zwei Pröbchen mit für das Gesicht mit dem Hinweis: "Des is gut für die rote Flecke im Gsicht, des is bei mir mit Anfang der Wechseljohr ja au gaaaanz schlimm gworde!"

Ähhh, danke für alles und leben Sie wohl!

Mein Fazit: ich schau mir erstmal die Wellnessabteilung an und frage auch nach der Qualifikation der MitarbeiterInnen und suche mir dann gegebenenfalls lieber eine kleine Praxis in der Nähe.

Trotzdem hatte ich eine schöne Zeit in diesem Hotel und der Umgebung und konnte das Ganze doch auch mit Humor nehmen ;-)

Ein wunderbar entspanntes Wochenende
voller Wohlerleben
wünscht Nora


Kommentare:

Musenkuesse hat gesagt…

Liebe Nora,
jetzt hast du mich zum Lachen gebracht. Deine Erlebnisse bzw. dein Text liest sich herrlich und man würde gern mehr lesen. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, das dieser erlebte Massage-Nepp für dich keineswegs amüsant war, da die erbrachten "Leistungen" in den Hotels auch ihre Preise haben.

Wünsche dir ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
Tina

GuteHaende hat gesagt…

Hallo Nora,
Du hast mir mit Deiner Geschichte wirklich aus der Seele gesprochen. Ich frage mich wirklich schon lange, wie Menschen die überhaupt keine Gabe und Einfühlungsvermögen für diese Arbeit mitbringen auf die Menschen losgelassen werden. Warum testen die Spas und Hotels nicht die Mitarbeiter VOR der Einstellung.
Man merkt doch ob jemand eine gute Energie und Sensibilität mitbringt, oder ob er wie am Fließband arbeitet.
Naja, letztendlich geht es wahrscheinlich wieder ums Geld... und auch, wenn man sich bemühen kann es mit Humor zu sehen, man ist ja dann doch enttäuscht, weil man selbst weiß, wie viel besser es sein kann.... :)
Liebe Grüße aus Frankfurt,

Kai Badenhausen