Freitag, 20. Februar 2009

Und täglich grüßt das Murmeltier oder Schon wieder Freitag - Leben im Zeitraffer

Anstelle von "Schon wieder Freitag" könnte auch stehen "Schon wieder Sonntagabend, schon wieder Februar, schon wieder ..."
Heute morgen beim Frühstück sagte ich "Und täglich grüßt das Murmeltier - schon wieder Freitag" und schon x-mal so erlebt und morgen sind wir schon in 20 Jahren... Hilfe, ich befinde mich im Zeitraffer! Wo ist hier die Notbremse?

Kennt ihr das?

Manchmal setz ich mich dann einfach hin und warte. Und dann? Jetzt sagt ihr vielleicht: "Und nun? Da passiert doch nix." Genau - und das ist gerade mal schön, wenn mal einfach nix passiert und das zu beobachten. Einfach da sein.
Mal eben aus dem Zeitraffer aussteigen.

Und dann, um dem Murmeltiereffekt zu entgehen, gehe ich manchmal andere Wege wie gewohnt; das mache ich sehr gerne, da habe ich schon 'ne Menge interessanter Dinge entdeckt.
Oder: Am Wochenende gibt es frische Brötchen vom Bäcker um die Ecke. Und was nehmen wir diesmal? Die Verkäuferin weiß schon auswendig, was die Leute kaufen.
Deswegen braucht sie auch nur noch zu fragen: "Wie immer?" Ja, wie immer.
Ne, nicht wie immer. WIE LANGWEILIG! Seid revolutionär ;-) und nehmt mal nicht die Kürbiskernbrötchen, sondern die Dreikornwecken, die ihr sonst nie beachtet und reisst damit auch die Verkäuferin aus ihrer Routine.
Musik: hör ich gerne auch mit Zufallswiedergabe - da gibt es tolle Überraschungen und es entstehen andere Stimmungen als erwartet.
Radiosender: Endlich haben wir ein Radio mit Senderspeicherplätzen (ja, ich weiß, ist ja nix Neues, hat nur lange gedauert, bis es den Weg hierher fand).
Einfach mal einen anderen Sender hören.

Beispiele dafür, im Alltag mal was Neues auszuprobieren, könnten endlos fortgesetzt werden. Überlegt Euch was: im Restaurant beim Auswählen des Gerichts, beim Kochen, beim Kleider aus dem Schrank aussuchen, beim Sitzplatz am Tisch - vielleicht darf es heute mal ein anderer sein?
Am Arbeitsplatz: Was könntet ihr mal anders machen bei der Arbeit? Und was für Reaktionen würde es auslösen? Wäre doch spannend, das zu entdecken.

Übrigens habe ich gar nichts gegen Rituale, im Gegenteil, ich liebe Rituale -
bewusste Rituale.

"Im Zen gibt es nichts Schlimmeres, als wenn das Leben durch tägliche Routine bestimmt wird. Sie lässt das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment schwinden, bewirkt, dass der Geist sich verflüchtigt und bringt uns dazu, den Kontakt mit uns selbst zu verlieren. Das beste Mittel, um den Geist wieder zu wecken und die Kraft des Hier und Jetzt zu erfahren, besteht darin, Überraschungen zu bereiten."
(aus "ZEN oder die Kunst der Entschleunigung)

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende mit allerlei Neuentdeckungen :-)
Nora

Kommentare:

Gabaretha hat gesagt…

Liebe Nora,
ganz meine Meinung! Vielen Dank für den schönen Beitrag und die Erinnerung.
Sonnige Grüße aus dem Tiefschnee,
besser und besser,
Gaba

Konstanze Moos hat gesagt…

Hallo Nora,
immer kurzweilig und nie grüsst mich das Murlmeltier auf deiner Seite :-)
Ja, die Automatismen, die stumpfen Gewohnheiten gilt es aufzuspüren und umzuwandeln oder aufzulösen. Wertvoll dagegen, der Einsatz von bewusst gewählt und gewollten Ritualen! Dies ist oft ein großes Thema bei der täglichen Arbeit mit meinen KundenInnen.

Grüsse aus einem nicht fassbaren, neblig-mittelkalten Grauweiß
Konstanze

Claudia Nora hat gesagt…

Liebe Garbaretha, liebe Konstanze,

danke für Eure Kommentare.
Aus dem Tiefschnee von Gaba über das neblig-mittelkalte Grauweiß von Konstanze zu einem sehr regnerischen Baden-Baden heute morgen.

Einen gemütlichen Tag bei diesem Wetter
liebe Grüße
Nora

Elana hat gesagt…

Ehrlich gesagt wünschte ich mir aufgrund der bewegten letzten drei Jahre gerade einmal eine Phase, die nur aus Normalität und Alltäglichem und gewöhnlich Gewöhnlichem besteht nach dem Prinzip: zurück zur Einfachheit OHNE Überraschungen. Es soll nicht heißen, dass Überraschungen eine Negativbesetzung in meiner Lebensvision haben, nur, wenn man phasenweise zu viele davon bekommt, gute wie schlechte und zwar fast täglich, sehnt man sich regelrecht nach einer gewissen Eintönigkeit. Für eine Weile zumindest.
Verstehst du, was ich meine?
Im übertragenen Sinne: Keine Überraschungen - auch eine Art Ritual. Klingt doof, doch ich kann es nicht besser ausdrücken.

Herzlichst
Elana

PS: Der Frühling kommt auf ein paar Tage. Schön, nicht? Überraschung oder ... was?

Claudia Nora hat gesagt…

Liebe Elana,
danke für Deinen Kommentar.
Ich kann das gut nachvollziehen, was Du schreibst. Das klingt für mich nach großer Ruhebedürftigkeit. Wenn man soviel "gepiekst" wird (was ich aus Deiner Geschichte lese), dann hat man der Reize genug. Trifft es das?

Genieße die Sonnenstrahlen, die uns jetzt gerade geschickt werden.
Liebe Grüße
Nora

Bonny hat gesagt…

Hallo,

die Idee, öfter einfach mal etwas anders zu machen, einfach um nicht immer dasselbe zu tun finde ich wirklich gut.

Werde mal versuchen, das umzusetzen. In letzter Zeit habe ich dies nämlich etwas vernachlässigt.

Bonny