Sonntag, 18. Januar 2009

Verspannung - Entspannung - die rechte Spannung

Alles kommt zur rechten Zeit. Es gibt zum Beispiel Bücher in meinem Bücherregal, die ich irgendwann kaufte, ins Regal stellte und die da warten, bis etwas in ihnen zum Thema wird. Viele davon sind Fachbücher, die ich sowieso nie am Stück lese, sondern manchmal ohne zu überlegen, aus dem Regal ziehe, mittendrin aufschlage und ahhhhhh - etwas offenbaren, was sich mir sowieso gerade überall zeigt.

Heute fand das Buch "Hara - die Erdmitte des Menschen" von Karlfried Graf Dürckheim wieder in meine Hände.
Ich schlage es auf und lese:

"... hierzu ist freilich notwendig, in aller Verspannung mehr zu sehen als eine körperliche Verkrampfung. Jede Verspannung ist Ausdruck eines "Misstrauens gegen das Leben". Der Mensch mit auch nur leicht hochgezogenen Schultern ist immer auf der Hut, unbewusst immer dabei, einen drohenden Angriff abzuwehren, sich auf irgendetwas "gefasst" zu machen, immer bereit "hochzugehen" etc.
Die ihn aus dieser Verspannung heraustragende Übung ist daher nie allein eine, vielleicht wohltuende, technische Behandlung seiner harten Muskulatur durch Massage oder eine Spritze oder ein warmes Bad! All dies gibt vorübergehende Erleichterung, aber bring nicht weiter. Nur wo der Mensch lernt, sich in einer bewussten und anhaltenden Gebärde des Vertrauens in seiner Mitte niederzulassen und sich gläubig in sie einzulassen, wird er gelassen, d.h. verliert er die Angst."


Karlfried Graf Dürckheim schreibt außerdem über Entspannungsübungen, wie sie heute vielfach geübt werden: "... denn diese sind weithin nichts anderes als ein Unternehmen zur Beibringung von Mitteln, die den Menschen befähigen, schmerzfrei in seinen Fehlhaltungen weiterzuleben und vor dem auszuweichen, was nottäte: Anders zu leben."

"Der Sinn der rechten Entspannung einer Verspannung ist daher auch niemals die Auflösung, sondern das Gewinnen der rechten Spannung!"
Und das Gewinnen der rechten Spannung geht mit der Entwicklung des Hara einher. Etwas mehr dazu hier.

Ich finde es immer "spannend" unter die Verspannung zu schauen und zu fragen: Was ist darunter verborgen? Dass "jede Verspannung Misstrauen gegen das Leben" bedeutet, ist in meinem Verständnis auch mit Anhaftung, Blockierung, Nicht-Loslassen gleichzusetzen.

Und wenn Graf Dürckheim schreibt, dass auch Massage zwar vorübergehend Erleichterung bringt, aber sonst nichts weiter - hm, da muss ich sagen, dass ich diese Gedanken gut nachvollziehen kann und trotzdem ein Potential in der Massage sehe. Oft erlebe ich zwar, dass die Massage eine zeitweise Entspannung bringt, aber wenn sonst nichts im Leben verändert wird, stellt sich der verspannte Zustand sehr schnell wieder ein.
Jedoch sehe ich Massage und vor allem auch Shiatsu als Weg, die Wahrnehmung zu schulen, das Körpergefühl zu wecken und als Möglichkeit, hinter die Verspannung zu sehen - wenn der Klient das denn überhaupt möchte. Doch das ist seine Entscheidung und ich kann nur das Angebot machen und die Tür dazu öffnen, doch:
Durchgehen muss jeder selbst!




Einen schönen Sonntag
wünscht
Nora

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