Mittwoch, 22. Oktober 2008

Symptome und eine Geschichte vom samtenen Kaninchen

Heute fühle ich mich "flügellahm"; was ist bloß mit meinen Schultern passiert? Die melden sich und wollen heute gar nichts tun. So ganz kann ich dem Wunsch nicht nachkommen, aber zumindest anerkennen kann ich es.

"Symptome sind Wege nach Hause... Ein Symptom ist eine Art Seufzer, eine Unterbrechung in der Routine des Lebens, ein Loslassen des Vertrauten und ein Eintreten in das Nicht-Vertraute. Ein Symptom ist kein "locker herabhängendes Teil", sondern ein eindrucksvoller, integrierter Ausdruck des Selbst. Im Interpretations-System der traditionellen Akupunktur dient das Symptom als Leitmotiv - es ist ein Hauptthema im Leben eines Menschen, das heraufbeschworen worden ist, um behandelt zu werden, um vollständig zu werden. Es ist eine Bitte um Unterstützung, nicht, um es einfach los zu werden oder in Ordnung zu bringen, sondern, um es auszuhalten und als eine Lebenserfahrung zu ertragen; eine Bitte um Unterstützung, um die Weisheit des Symptoms erkennen zu können und zu sehen, daß man es umarmen kann. Wenn das Symptom nicht länger als Prüfstein - als Ein- oder Ausgang - gebraucht wird, verschwindet es. Es wird wieder erscheinen, sobald es gebraucht wird."

(Danke Dianne Connelly für den Text aus "Alles Weh ist Heimweh")




Eine kleine Geschichte, die zum Thema passt:

"Was ist wirklich?" fragte das Kaninchen eines Tages, als sie Seite an Seite in der Nähe des Kamingitters im Kinderzimmer lagen, ehe Nana kam, um das Zimmer aufzuräumen.
"Bedeutet es, daß Du Dinge hast, die in Dir drinnen summen, und einen hervorstehenden Griff?"
"Wirklich ist nicht, wie Du gemacht bist", sagte das Fell-Pferd. "Es ist etwas, das mit Dir geschieht. Wenn Dich ein Kind lange, sehr lange liebt, nicht bloß, um mit Dir zu spielen, sondern Dich wirklich liebt, dann wirst Du wirklich."
"Tut es weh?" fragte das Kaninchen.
"Manchmal" sagte das Fell-Pferd wahrheitsgemäß; "aber wenn Du wirklich bist, macht es Dir nicht viel aus, verletzt zu werden."
"Passiert es ganz plötzlich, als wäre man aufgespult worden" fragte es, "oder Stück für Stück?"
"Es passiert nicht ganz plötzlich", sagte das Fell-Pferd. "Du wirst. Es dauert sehr lange. Deshalb passiert es nicht so oft bei Leuten, die leicht zerbrechlich sind oder sehr scharfe Kanten haben oder sorgfältig gehalten werden müssen. Im allgemeinen wird dann, wenn Du wirklich geworden bist, Dein Haar weg-geliebt und Deine Augen werden herausgefallen sein, Deine Gelenke werden ausgeleiert und Du wirst sehr abgenutzt sein. Aber all das zählt überhaupt nicht, denn wenn Du erst einmal wirklich bist, kannst Du gar nicht hässlich sein, außer für jene, die es nicht verstehen."

(Auszug aus "Das samtene Kaninchen" von Margery Williams)

Kommentare:

Iris H. hat gesagt…

hallo claudia nora,
ganz lieben dank für deinen kommentar in meinem blog zum gefallenen engel,!!

soeben habe ich mich auf deiner homepage umgesehen und könnte jetzt gerade eine massage sehr gut gebrauchen, denn gestern habe ich mir den rücken verränkt- ein symptom?? für was??
nunja, ich finde deinen blog sehr interessant, viele ähnlichkeiten entdecke ich,

werde noch ein wenig weiterlesen und wünsche dir einen schönen abend!!!

LG Iris aus dem skizzenblock

Claudia Nora hat gesagt…

Liebe Iris,
schön, dass Du hierher gefunden hast.

Symptome lenken unsere Aufmerksamkeit zu einem Bereich, der gesehen werden will. Das kann, muss aber nicht immer einen sehr tiefliegenden Grund haben, manchmal kann es bedeuten: "He, achte besser auf mich" oder "Geh nicht über meine Grenzen" oder oder oder...das kannst nur Du herausfinden ;-)
Gute Besserung und
liebe Grüße
Nora