Donnerstag, 17. Mai 2007

Galsan Tschinag



"Traditionelle Heilkunst im mongolischen Schamanismus" war der Titel des Workshops mit Galsan Tschinag aus Tuwa. Die Veranstaltung fand im Tipi von Barbara Gramlich in Freiamt statt, umgeben von ursprünglicher Natur.

Galsan Tschinag ist Stammeshäuptling, Schamane und Dichter der Tuwa-Nomaden in der Mongolei.
Im Workshop erzählte er vom Leben in seiner Heimat, vom schamanischen Heilwissen aus Tuwa und zeigte einfache Elemente des Heilens.

"Heilen heißt bei den Nomaden: berühren mit Worten, berühren mit den Händen, genaues Zuhören, Riechen, Öffnen der Sinne, intuitives Wahrnehmen des ganzen Menschen. Wenn Heilender und Heilsuchender sich vorbehaltlos einander öffnen, entsteht Resonanz, wird Berührung möglich, werden Ressourcen aktiviert, die heilsame Veränderungsprozesse anzuregen vermögen."

Was im Familienverbund und in Lebensgemeinschaften ganz natürlich ist, nämlich sich gegenseitig Gutes zu tun, sich zu massieren, zu halten, in Körperkontakt zu gehen, ist in unseren Kulturen ein bißchen verloren gegangen. Leben wir nicht in einer berührungsarmen Welt?
Doch mein Gefühl ist, daß wir uns wieder in diese Richtung bewegen. Vermutlich bin ich für dieses Thema einfach sehr empfänglich, doch scheint es mir wirklich, daß immer mehr Menschen an diesem "Umkehrpunkt" angekommen sind und sich zurückbesinnen, auf das, was wesentlich ist. Die Sehnsucht nach echter Berührung (Berührung mit allen Sinnen) ist die Nahrung für unsere Seele und somit für den Körper und unser Sein.

Das Band zwischen Heiler und Heilsuchendem ist eine Brücke, ohne die wir nicht zueinander kommen. Das bedeutet, ohne das gegenseitige Vertrauen und den gegenseitigen Glauben aneinander, kann kaum Heilung stattfinden.
Dieses Band gibt es leider immer weniger in unserem Medizinsystem. Die Zeit gibt es nicht in der Arztpraxis und schon gar nicht im Krankenhaus.
Doch wenn wir davon ausgehen, daß in jedem von uns ein Heiler steckt, dann können wir doch vieles für einander tun, was heilsam ist. Einfach indem wir natürlich sind, gegenseitig auf unsere Bedürfnisse eingehen und vor allem: Vertrauen in uns selbst haben, daß wir etwas Gutes zu geben haben.

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Galsan Tschinag hat zahlreiche Bücher geschrieben. Zwei davon habe ich gelesen:
"Die graue Erde" erzählt vom Leben einer mongolischen Nomadenfamilie, einem Leben mit der Natur und dem Schamanismus und den Veränderungen und Zwängen, die der Sozialismus in den 40er Jahren mit sich brachte.
"Liebesgedichte" ist das andere Buch; für mich als Anhängerin der Poesie wiedermal ein Schatzkästchen.
Klappentext: "Poesie ist die strotzende Kraft, die dem Universum als Ganzem so auch jedem seiner Splitter innewohnt. Ist die summende Stimme der Seele eines jeden Lebewesens."

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