Donnerstag, 26. April 2007

Dienstags bei Morrie

Als ich irgendwo die Buchempfehlung für "Tuesdays with Morrie" las, wußte ich, ich hatte das Buch schon irgendwo gesehn. Tatsächlich stand es im Bücherregal und wartete wohl darauf, von mir gelesen zu werden.

Es ist eine wahre Geschichte: Mitch Albom trifft nach vielen Jahren seinen alten, kranken Lieblingsprofessor wieder. Dieser hat eine tödliche Krankheit. Sie beschließen, ihre früheren "Dienstags Treffen" wieder aufzunehmen. Jeden Dienstag führen sie Gespräche "über unser Leben und unsere Kultur, über Ehe und Familie, über die Arbeit und soziales Engagement, übers Verzeihen und über das, was uns das Leben geschenkt und was es uns vorenthalten hat, über Glück und Abschiednehmen, über die Reue und die Angst vorm Älterwerden." Beide wissen: es ist ihr letztes Seminar.


Ein Auszug daraus:

»Mitch. Kann ich dir etwas sagen?«
»Natürlich«, sagte ich
»Möglicherweise gefällt es dir nicht.«
»Warum nicht?«
»Tja, die Wahrheit ist, wenn du wirklich auf jenen Vogel auf deiner Schulter hören würdest, wenn du akzeptieren wür­dest, dass du jederzeit sterben kannst -- dann wärst du vielleicht nicht so ehrgeizig, wie du jetzt bist.«
Ich zwang mich zu einem kleinen Lächeln.
»Die Dinge, auf die du so viel Zeit verwendest, all diese Arbeit, die du machst - erscheinen dann vielleicht nicht so wichtig. Es könnte sein, dass du dann Platz für spirituelle Dinge schaffen musst.«
»Spirituelle Dinge-,«
»Du hasst das Wort, nicht wahr? >Spirituell<. Du glaubst, es ginge dabei um rührseliges Zeug.«
»Na ja«, sagte ich.
Er versuchte, mir zuzuzwinkern. Was ihm jedoch nicht gelang, und ich konnte mich nicht mehr beherrschen und be­gann, laut zu lachen.
»Mitch«, sagte er und lachte ebenfalls, »selbst ich weiss nicht, was >spirituelle Entwicklung< wirklich bedeutet. Aber ich weiss, dass es uns in irgendeiner Hinsicht an etwas man­gelt. Wir sind allzu sehr mit materialistischen Dingen beschäf­tigt, und sie befriedigen uns nicht. Die liebevollen Beziehun­gen, die wir haben, das Universum um uns herum - wir nehmen diese Dinge als selbstverständlich hin.«

Das Buch ist ein kleiner Schatz. Ehrlich, wesentlich, liebevoll und berührend.
Und nachdem ich das Original und die Übersetzung gelesen habe, schlage ich immer noch gerne eine beliebige Seite auf, um nur ein paar Worte wieder aufzufangen.

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